Finasterid (Propecia) ist das erste orale Arzneimittel zur Behandlung der androgenetischen Alopezie, dessen Wirksamkeit in klinischen Studien mit über 1000 Männern nachgewiesen ist. Der 5-Alpha-Reduktasehemmer hemmt die Bildung von Dihydrotestosteron, packt damit das Übel an der Wurzel und soll die verlorene Haarpracht zurückbringen.

Mehr als die Hälfte der über 50jährigen Männer leidet unter dem sogenannten erblichen Haarausfall (androgenetische Alopezie), jeder Dritte der unter 30jährigen zeigt bereits erste Symptome. Ein bei Kahlköpfen beliebtes Gerücht gibt dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron die Schuld für den frühen Verlust. Tatsächlich besitzen jedoch Sean Connery, Heiner Lauterbach oder André Agassi wohl kaum mehr Testosteron als ihre behaarten Kollegen. Denn nicht das Geschlechtshormon selbst, sondern eine vererbte Empfindlichkeit der Haarwurzel kostet sie ihren Schopf. Ihre Haarwurzeln sind genetisch so programmiert, dass die Haare auch bei einem normalen Hormonspiegel frühzeitig ausfallen.

Schleichende Veränderung an den Haarwurzeln

Das Testosteron, oder genauer sein Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT) wirkt an empfindlichen Haarwurzeln als Auslöser für eine schleichende Veränderung: Die Wurzel schrumpft allmählich auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe, anstelle eines normalen Kopfhaares bildet sie jetzt ein weiches, blasses Flaumhaar.

Schließlich fällt auch dieses Haar aus - was bleibt, ist eine kahle Stelle. Beim Mann beginnt diese Degeneration der Haarwurzeln seitlich am vorderen Haaransatz (-Geheimratsecken) und zentral am oberen Hinterkopf. Spätestens wenn beide Kahlschläge ineinander übergehen, wird jeder Versuch, dieses zu kaschieren, zwecklos. Als Trost bleibt selbst bei vollständiger Glatzenbildung ein schmaler Haarkranz am Hinterkopf. Frauen, die seltener unter erblichem Haarausfall leiden, zeigen ein anderes Muster: Bei ihnen beginnt die Auflichtung in der Scheitelregion, während am vorderen Haaransatz ein mehrere Zentimeter breiter Saum verbleibt.

Andere Arten des Haarausfalls sind seltener

Weitaus seltener sind andere, nicht erbliche Arten des Haarausfalls. Zum Beispiel können auch entzündliche Erkrankungen, Stress-Situationen, Ernährungsstörungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente einen vorübergehenden Haarausfall verursachen. Die Haare lösen sich dann oft büschelweise und an untypischen Stellen, wachsen jedoch schnell wieder nach, sobald die Ursache beseitigt wurde.

Schwerwiegender ist der sogenannte kreisrunde Haarausfall, bei dem sich an mehreren Stellen des Kopfes kahle Stellen bilden. Ursache ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Angriff des körpereigenen Immunsystems auf die Haarwurzeln. Der genaue Mechanismus ist bis heute nicht bekannt.

Wer sichergehen will, ob er an erblichem oder einer nicht erblichen Form des Haarausfalls leidet, der kann beim Hautarzt einen sogenannten Haarwurzelstatus (Trichogramm) erstellen lassen. Dabei werden etwa 50 Haare an exakt festgelegten Stellen des Kopfes entnommen und mit Hilfe eines Stereomikroskops untersucht. Durch eine Auswertung der einzelnen Haarwachstumsphasen kann der Arzt das typische Muster des erblichen Haarausfalls erkennen, lange bevor sich das Haar tatsächlich lichtet.

Finasterid gegen androgenetische Alopezie

Weist der Haarwurzelstatus nicht auf einen erblichen Haarausfall hin, so wird der Arzt systematisch nach anderen Ursachen suchen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Gegen den ererbten Haarausfall konnten bislang zum Beispiel eine 5%ige Minoxidil-Lösung oder eine 17-Alpha-Östradiollösung lokal eingesetzt werden. Jetzt kommt in Deutschland ein oral anzuwendendes Medikament auf den Markt, dessen Wirkung gegen die vererbte Kahlheit wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Finasterid 1 mg von MSD Sharp & Dohme ist als Arzneimittel (Handelsname Propecia) zugelassen und verschreibungspflichtig. Das Präparat hat umfangreiche klinische Prüfungen durchlaufen: Finasterid 1 mg ist gut verträglich und stoppt den Haarausfall bei mehr als sechs von sieben behandelten Männern. In etwa zwei Drittel der Fälle kann es die Haarwurzeln sogar zu neuem Haarwachstum anregen.

Allerdings wirkt auch Finasterid nur dort, wo sich die Haarwurzeln noch nicht völlig zurückgebildet haben. Die schmerzliche Wahrheit für Männer, die ihre Haare bereits vollständig verloren haben: Gegen eine bereits ausgebildete Glatze ist bis heute kein Kraut gewachsen.

Finasterid hemmt die Produktion von Dihydrotestosteron

Der Wirkstoff Finasterid packt das Problem Haarausfall an der Wurzel: Es hemmt die Produktion desjenigen Stoffes, den die Forschung als Verursacher der Kahlheit identifiziert hat: des Dihydrotestosterons (DHT). DHT entsteht im Körper aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron und löst eine Verkleinerung der Haarwurzeln aus, allerdings nur bei genetisch dazu veranlagten Männern.

Finasterid ist selbst kein Hormon, sondern blockiert das Enzym, das DHT bildet, die 5-Alpha-Reduktase. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Medikament hemmt die Produktion von DHT, einem der Auslöser des Haarausfalls, und reaktiviert dadurch die Haarfollikel. Der Testosteron-Spiegel im Körper bleibt dabei im Normalbereich.

Wegen seiner erwiesenen Wirkung und seiner guten Verträglichkeit wurde Finasterid 1 mg in den USA bereits Ende 1997 zugelassen. Auch in Schweden sorgt das Medikament inzwischen für dichtere Haarschöpfe, allerdings nur bei Männern und nur bei der erblichen Variante des Haarausfalls. Andere, weitaus seltenere Arten der Kahlheit können mit Finasterid 1 mg nicht behandelt werden. Und für Frauen ist das Medikament grundsätzlich nicht zugelassen.

Gute Erfolgsaussichten in klinischen Prüfungen

Wie hoch die Erfolgsaussichten tatsächlich sind, zeigen zwei internationale klinische Prüfungen: Insgesamt 1215 Männer erhielten zwei Jahre lang entweder das Medikament oder ein Plazebo. Nach Abschluß der klinischen Prüfungen hatte sich die Haarzahl auf einer festgelegten Fläche bei sechs von sieben der mit Finasterid 1 mg behandelten Männer erhöht oder war konstant geblieben. Dagegen hatte sich das Haarkleid in der Plazebo-Gruppe bei fast drei Viertel der Männer weiter gelichtet. Gleichzeitig beobachteten unabhängige Gutachter bei zwei Drittel der behandelten Männer ein verstärktes Haarwachstum gegenüber nur sieben Prozent der unbehandelten. Statistisch sind diese Ergebnisse hochsignifikant.

Nur wenig Nebenwirkungen

Nebenwirkungen traten am Anfang der klinischen Prüfung nur vereinzelt auf und bildeten sich im weiteren Verlauf meist von selbst zurück. Ihre Häufigkeit war in der Finasterid-Gruppe nur geringfügig erhöht. So klagten etwa 1,8 Prozent der Behandelten über eine verminderte Libido - doch auch in der Plazebo-Gruppe erlebten sich 1,3 Prozent der Männer als lustlos. Potenzprobleme traten bei 0,7 Prozent der Unbehandelten auf, in der Finasterid-Gruppe war die Häufigkeit um etwa ein halbes Prozent höher. Insgesamt erwies sich das Medikament als sehr gut verträglich.

Finasterid 1 mg wird in Tablettenform einmal täglich eingenommen und bringt den Haarausfall in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nach frühestens drei bis sechs Monaten zum Stillstand. Im Laufe der weiteren Behandlung kann es weiteres Haarwachstum anregen. Damit bietet Finasterid 1 mg eine höhere wissenschaftlich belegte Wirksamkeit als jedes andere Präparat zuvor. Die kann allerdings nur dann garantiert werden, wenn die Therapie kontinuierlich fortgesetzt wird. Wird der Wirkstoff abgesetzt, geht auch das Haarwachstum wieder zurück.

Quellen: Presseinformation der MSD Sharp & Dohme GmbH, München DAZ 16/98, S. 34 DAZ 35/98, S. 34