Bald beginnen im südkoreanischen Pyeongchang die Olympischen Winterspiele.

 

Doping-Wirren überschatten die Spiele. Was ein früherer Rennarzt über Vergehen von Formel-1-Rennfahrern sagt. Am 9. Februar beginnen in Pyeongchang (Südkorea) die 23. Olympischen Winterspiele.

 

Seit Wochen wird nicht vorwiegend über die kommenden Wettkämpfe geschrieben, sondern über Doping-Wirren.

Sportfans wissen: Das nationale olympische Komitee von Russland wurde von den Spielen gesperrt, 169 Athleten treten unter neutraler Flagge an. Wenn sie Edelmetall erringen, wird die olympische Hymne gespielt, nicht die russische. Dopingkontrollen gehören auch in der Formel 1 zum Alltag. Jüngstes Beispiel: Red Bull Racing-Pilot Max Verstappen. Der Niederländer war wochenlang auf Tauchstation («mit Freunden etwas unternehmen, gut essen, vor allem aber viel schlafen»), in Form eines grossen Interviews für Ziggo Sport hat er sich Ende Januar in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Just am Morgen des Interviews klingelte ein Funktionär Verstappen aus dem Bett – für eine Dopingkontrolle! Max erklärt: «Bei uns ist das nicht oft der Fall.

Ich werde zwei Mal im Jahr überprüft. Einmal während eines Rennwochenendes, einmal zuhause. Zwei Leute standen heute Morgen vor meiner Tür in Monaco. Sie werden von der FIA aufgeboten, um nach dem Rechten zu sehen. Ich denke es ist gut, dass wir überprüft werden.» Dennoch ist Doping im Zusammenhang mit der Formel 1 fast nie ein Thema. Wieso eigentlich nicht? Die Ausgangslage für Grand-Prix-Rennfahrer ist einfach: Die FIA arbeitet mit den Vorgaben der Anti-Dopingbehörde WADA (World Anti Doping Agency).

Die Grand-Prix-Fahrer müssen bei dieser Behörde stets hinterlegen, wo sie sich aufhalten. Anders gesagt: Die WADA-Kontrolleure kennen den Reiseplan der schnellen Herren. Im Jahr werden im Schnitt mehr als zwanzig Formel-1-Fahrer aus dem Bett geklingelt, um anschliessend – unter Anwesenheit des Kontrolleurs, was immer ziemlich peinlich ist – pinkeln zu müssen, das kann zuhause sein oder unterwegs in einem Hotel.

Valtteri Bottas meinte einmal: «Wenn dir ein Mann dann auf der Toilette über die Schulter guckt, ist das etwas verstörend.» Auch an einem GP-Wochenende kann jederzeit eine Handvoll Fahrer zum Zwangspinkeln aufgeboten werden.

Der Grund, wieso Formel-1-Rennfahrer so gut wie nie im Netz der Drogenfahnder hängen bleiben, ist simpel: Es gibt gemäss Medizinern so gut wie keine Substanzen, deren Einnahme für einen Rennfahrer sinnvoll sind. Auf eine Ausnahme kommen wir gleich noch zu sprechen.

Auf Anhieb kommen mir nur wenige Formel-1-Fahrer in den Sinn, bei welchen im Laufe der letzten Jahre etwas moniert werden musste: Thomas Enge hatte Marihuana geraucht, und Rubens Barrichello hat einmal ein Grippemittel genommen, das auf der neun A4-Seiten langen Liste verbotener Medikamente stand.

Enge erhielt eine Sperre, Barrichello kam mit einer Verwarnung davon. Nach Abschluss seiner GP-Karriere trat der Franzose Franck Montagny in der Formel E an. Beim Lauf in Malaysia vom November 2014 wurde er positiv auf Kokain getestet.

Der frühere Testfahrer von Renault und GP-Pilot mit Super Aguri wurde im März 2015 vom Automobil-Weltverband für zwei Jahre gesperrt. Aber das sind wirklich Ausnahmen. Der längjährige Rennarzt Prof. Gary Hartstein aus den USA meinte: «Ich bin weder Berufsoptimist noch naiv.

Ich habe über lange Jahre Schulter an Schulter mit den GP-Fahrern gearbeitet. Ich weiss, was sie im Rennwagen leisten. Ich weiss aber auch: Es gibt so gut wie kein Präparat, das ihre Leistungsfähigkeit im Renner steigern würde. Die Fahrer wissen das auch. Und daher behaupte ich – die Racer sind sauber.» Keine Regel ohne

Ausnahme: Das Medikament Modafinil könnte theoretisch einen Vorteil bieten. Es fördert zentral Wachheit und Aufmerksamkeit und steigert die motorische Aktivität. Es wird zur Behandlung von Schlafkrankheit verschrieben oder von Nachtarbeitern eingenommen. Modafinil kann als leistungsförderndes Mittel, als Smart Drug, Partydroge und Dopingmittel missbraucht werden. Es steht daher auf der Dopingliste.

Da die Kontrollen der WADA unerbittlich sind und Formel-1-Piloten selten an mangelnder Aufmerksamkeit leiden, ist es jedoch überaus unwahrscheinlich, dass mit diesem Medikament Missbrauch betrieben wird. Wenn die Rennfahrer wirklich mal was einwerfen, dann ist das eher ein Gläschen Alkohol.

Und selbst dann zeigt sich, was ich mit eigenen Augen erlebt habe: Die durchtrainierten Sportler sind in der Regel Alkoholgenuss nicht gewöhnt, die meisten von ihnen sind nach einem Glas schon reichlich beschwipst.

 

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